Mit
Energiepass soll Verbrauch von Energie in Wohngebäuden gemessen
werden / Start auf April verschoben
In
einem Feldversuch will die Deutsche Energie Agentur (Dena) im
Rhein-Main-Gebiet einen Energiepass einführen, der den
Energieverbrauch in Wohngebäuden nachweist. Nun verschiebt sich aber
zum zweiten Mal der Starttermin, weil die Software zur
Datenerfassung nicht fertig ist.
Frankfurt
· 15. März · Am 4. Januar 2006 müssen alle Mitgliedsländer in
nationales Recht umgesetzt haben, was die Europäische Union bereits
im November 2002 beschlossen hat: eine "Richtlinie zur
Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden". Was im Brüsseler Ratsdeutsch
extrem kompliziert klingt, ist nichts anderes als ein Pass für
Mieter, Vermieter oder Wohnungsbaugesellschaften, der den
Energieverbrauch in Häusern festhält. Dazu werden
Verbesserungsvorschläge unterbreitet - fertig ist der Energiepass,
ein handlicher Ausweis der eigenen Verschwendung und zugleich
Fahrplan in eine preisgünstigere Heizperiode.
Doch der
Startschuss zu einem groß angelegten Feldversuch mit mehr als 20
teilnehmenden Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften in der ganzen
Republik verzögert sich erneut. Bereits im Februar wollte das
Frankfurter Energiereferat die ersten offiziellen Vor-Ort-Berater
losschicken, mangels funktionstüchtiger Software zur Datenerfassung
platzte der Termin jedoch. So auch Anfang März. Bereits geladenen
Dezernenten aus Frankfurt und Offenbach wurde wieder abgesagt.
Inzwischen sollen acht Software-Firmen über der Programmierung
brüten, um bis spätestens Anfang April alle Mängel beseitigt zu
haben.
Mietminderungen
befürchtet
Erst vergangene Woche verlangte die Deutsche
Energie Agentur in Berlin neue Änderungen an der Software, welche
die Gebäudedaten einheitlich und vergleichbar erfassen und dann den
Energiepass erstellen soll. Zu einer Stellungnahme gegenüber der
Frankfurter Rundschau war Dena aber nicht bereit. Laut Peter
Tschakert vom Frankfurter Energiereferat mischen sich in die
Verhandlungen zwischen Dena, den beteiligten Bundesämtern wie dem
für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), den Kommunen und
Wohnungsbaugesellschaften regelmäßig Bedenken. "Jeder will in seinem
Sinne noch was verbessern."
So fürchteten etwa viele
Wohnungsbaugesellschaften die Reaktion ihrer Mieter auf mögliche
schlechte Ergebnisse im Effizienztest. "Die Gesellschaften haben
natürlich Angst, dass viele Mieter dann eine Mietminderung
verlangen", sagt Tschakert. Zwar werde in Frankfurt zumeist
"vorbildlich modernisiert", dennoch könnten die
Wohnungsbaugesellschaften "nicht alle Gebäude auf einen Schlag
erneuern, die nicht im Sinne der EU effizient sind".
Das
Energiereferat erhofft sich von dem Pass ebenso wie die Dena eine
"größere Transparenz auf dem Wohnungsmarkt". Tschakert: "Fast jeder
weiß, wie viel Benzin sein Auto verbraucht, aber vom
Energieverbrauch des eigenen Hauses wissen die meisten Mieter und
Besitzer nur wenig. Das wollen wir ändern." Da nur zwei Jahre
verbleiben, bis der Pass zum Gesetz wird, "wollen wir uns einen
Vorsprung erarbeiten". Derzeit ist allerdings Warten angesagt, auf
die "Beta-Version" der Software. Ebenfalls in der Startlöchern steht
Dierk Binder von der Frankfurter Agentur Arch-Energy. Der Architekt
ist einer von 17 offiziellen Vor-Ort-Energieberatern des BAFA, die
im hessischen Feldversuch Energiepässe erstellen. Künftig wird
Binder mit einer Checkliste die Interessenten aufsuchen und Daten
von Heizungsanlagen und Bausubstanz, aber auch abstrakt klingende
Wärme-Durchgangsswerte wie den "K-Wert" messen.
"Dazu gehört
ein ausführliches Beratungsgespräch, in dem wir Empfehlungen für
Modernisierungen geben", erklärt Binder. Er findet den Pass "extrem
verbraucherfreundlich", weil Mieter und Vermieter endlich
zuverlässige Daten zum Energieverbrauch ihres Hauses erhielten und
so auch "enorm einsparen können". In Verbindung mit dieser
Energieberatung sei der Pass zudem kostenlos. "Der Verbraucher zahlt
nur die Beratung, die von der BAFA auch noch bezuschusst wird",
erklärt der Architekt und Energieberater.
Gültigkeit
des Passes ungeklärt
Noch sind aber viele Fragen offen.
Denn das Frankfurter Energiereferat, das für den Feldversuch in
Rhein-Main zuständig ist, wartet neben der Software noch auf die
Beantwortung einer zentralen Frage: "Wir wissen noch nicht, wie das
nationale Gesetz später im Detail aussehen wird. Darum können wir
auch nicht absehen, ob der jetzige Energiepass 2006 überhaupt gelten
wird", sagt Tschakert. Da sei die Dena noch eine Antwort schuldig,
doch Tschakert gibt sich zuversichtlich: "Wir wollen den
Verbrauchern diese Sicherheit bieten."