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Software-Mängel verzögern Feldversuch
Mit Energiepass soll Verbrauch von Energie in Wohngebäuden gemessen werden / Start auf April verschoben
In einem Feldversuch will die Deutsche Energie Agentur (Dena) im Rhein-Main-Gebiet einen Energiepass einführen, der den Energieverbrauch in Wohngebäuden nachweist. Nun verschiebt sich aber zum zweiten Mal der Starttermin, weil die Software zur Datenerfassung nicht fertig ist.
VON FELIX HELBIG

Energiepass
Mit dem Energiepass sollen Wohnhäuser künftig in voraussichtlich neun Effizienzklassen eingeteilt werden. Ab 2006 muss der Pass, der in einem Feldversuch getestet werden soll, bei jedem Nutzerwechsel eines Gebäudes vorgelegt werden. Experten zufolge verschlingen derzeit allein die Heizungen in Mietwohnungen durchschnittlich etwa 46 Prozent des gesamten Energieverbrauchs. Die Deutsche Energie Agentur (Dena), die beteiligten Bundesämter und die regionalen Partner des "ergebnisoffenen" Feldversuchs, wie das Frankfurter Energiereferat, wollen der Energieverschwendung entgegenwirken und mehr Transparenz zwischen Mieter und Vermietern schaffen. Insgesamt sollen im Test etwa 2000 Energiepässe ausgestellt werden, um aussagefähige Ergebnisse zu Praktikabilität, Nutzbarkeit und auch Konfliktpotenzial des Passes zu erhalten. In Verbindung mit einer Energieberatung wird der Pass kostenlos ausgestellt. Die Beratung kostet zwischen 75 Euro, wenn nur ein kurzes Protokoll und der Pass erstellt wird, und 800 Euro für große Mehrfamilienhäuser bei ausführlicher Beratung. Die Kosten der Auftraggeber bei ausführlicher Beratung werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit 300 bis 400 Euro bezuschusst. Zudem ist eine Belohnung als Anreiz im Gespräch: Wenn die vorgeschlagenen Maßnahmen umgesetzt werden, soll das betreffende Haus in eine höhere Effizienzklasse eingestuft werden. big
Frankfurt · 15. März · Am 4. Januar 2006 müssen alle Mitgliedsländer in nationales Recht umgesetzt haben, was die Europäische Union bereits im November 2002 beschlossen hat: eine "Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden". Was im Brüsseler Ratsdeutsch extrem kompliziert klingt, ist nichts anderes als ein Pass für Mieter, Vermieter oder Wohnungsbaugesellschaften, der den Energieverbrauch in Häusern festhält. Dazu werden Verbesserungsvorschläge unterbreitet - fertig ist der Energiepass, ein handlicher Ausweis der eigenen Verschwendung und zugleich Fahrplan in eine preisgünstigere Heizperiode.

Doch der Startschuss zu einem groß angelegten Feldversuch mit mehr als 20 teilnehmenden Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften in der ganzen Republik verzögert sich erneut. Bereits im Februar wollte das Frankfurter Energiereferat die ersten offiziellen Vor-Ort-Berater losschicken, mangels funktionstüchtiger Software zur Datenerfassung platzte der Termin jedoch. So auch Anfang März. Bereits geladenen Dezernenten aus Frankfurt und Offenbach wurde wieder abgesagt. Inzwischen sollen acht Software-Firmen über der Programmierung brüten, um bis spätestens Anfang April alle Mängel beseitigt zu haben.

Mietminderungen befürchtet

Erst vergangene Woche verlangte die Deutsche Energie Agentur in Berlin neue Änderungen an der Software, welche die Gebäudedaten einheitlich und vergleichbar erfassen und dann den Energiepass erstellen soll. Zu einer Stellungnahme gegenüber der Frankfurter Rundschau war Dena aber nicht bereit. Laut Peter Tschakert vom Frankfurter Energiereferat mischen sich in die Verhandlungen zwischen Dena, den beteiligten Bundesämtern wie dem für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), den Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften regelmäßig Bedenken. "Jeder will in seinem Sinne noch was verbessern."

So fürchteten etwa viele Wohnungsbaugesellschaften die Reaktion ihrer Mieter auf mögliche schlechte Ergebnisse im Effizienztest. "Die Gesellschaften haben natürlich Angst, dass viele Mieter dann eine Mietminderung verlangen", sagt Tschakert. Zwar werde in Frankfurt zumeist "vorbildlich modernisiert", dennoch könnten die Wohnungsbaugesellschaften "nicht alle Gebäude auf einen Schlag erneuern, die nicht im Sinne der EU effizient sind".

Das Energiereferat erhofft sich von dem Pass ebenso wie die Dena eine "größere Transparenz auf dem Wohnungsmarkt". Tschakert: "Fast jeder weiß, wie viel Benzin sein Auto verbraucht, aber vom Energieverbrauch des eigenen Hauses wissen die meisten Mieter und Besitzer nur wenig. Das wollen wir ändern." Da nur zwei Jahre verbleiben, bis der Pass zum Gesetz wird, "wollen wir uns einen Vorsprung erarbeiten". Derzeit ist allerdings Warten angesagt, auf die "Beta-Version" der Software. Ebenfalls in der Startlöchern steht Dierk Binder von der Frankfurter Agentur Arch-Energy. Der Architekt ist einer von 17 offiziellen Vor-Ort-Energieberatern des BAFA, die im hessischen Feldversuch Energiepässe erstellen. Künftig wird Binder mit einer Checkliste die Interessenten aufsuchen und Daten von Heizungsanlagen und Bausubstanz, aber auch abstrakt klingende Wärme-Durchgangsswerte wie den "K-Wert" messen.

"Dazu gehört ein ausführliches Beratungsgespräch, in dem wir Empfehlungen für Modernisierungen geben", erklärt Binder. Er findet den Pass "extrem verbraucherfreundlich", weil Mieter und Vermieter endlich zuverlässige Daten zum Energieverbrauch ihres Hauses erhielten und so auch "enorm einsparen können". In Verbindung mit dieser Energieberatung sei der Pass zudem kostenlos. "Der Verbraucher zahlt nur die Beratung, die von der BAFA auch noch bezuschusst wird", erklärt der Architekt und Energieberater.

Gültigkeit des Passes ungeklärt

Noch sind aber viele Fragen offen. Denn das Frankfurter Energiereferat, das für den Feldversuch in Rhein-Main zuständig ist, wartet neben der Software noch auf die Beantwortung einer zentralen Frage: "Wir wissen noch nicht, wie das nationale Gesetz später im Detail aussehen wird. Darum können wir auch nicht absehen, ob der jetzige Energiepass 2006 überhaupt gelten wird", sagt Tschakert. Da sei die Dena noch eine Antwort schuldig, doch Tschakert gibt sich zuversichtlich: "Wir wollen den Verbrauchern diese Sicherheit bieten."


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Copyright © Frankfurter Rundschau online 2004
Dokument erstellt am 16.03.2004 um 00:05:28 Uhr
Erscheinungsdatum 16.03.2004 | Ausgabe: S | Seite: 32

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